Hochfrequenz-integrierte Multi-Hybrid-Steckverbindersysteme  

Auf der 14. Internationalen Konferenz für Automotive Wire Harness & EDS in Ludwigsburg präsentiert MD ELEKTRONIK gemeinsam mit Bosch unter dem Titel „High-Frequency-Integrated Multi-Hybrid Connector Systems for Future E/E Architectures“ gemeinsam entwickelte Multi-Hybrid-Steckverbindersysteme, die bereits die anspruchsvollen OEM-Spezifikationen für den Einsatz in Automobilanwendungen erfüllen. Den Vortrag hielten Martin Hager, Director Center of Competence Mechanical Engineering (ME/ECO-ME) bei Bosch Mobility Electronics, und Helmut Pritz, Manager Technical Product Management (Optical Transmission, Multi Hybrid Connectors) bei MD ELEKTRONIK.

Kooperation zwischen Bosch und MD ELEKTRONIK 

Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen konzentriert sich auf zwei Kernlösungen: Microflex und Moduflex.

Diese Systeme ermöglichen eine flexible Modularisierung zukünftiger Bordnetze und vereinfachen das Entflechten sowohl auf der Kabelsatz- als auch auf der ECU-Seite. MD ELEKTRONIK entwickelt und baut dabei die HF-Kontakttechnologien, wie zum Beispiel Shielded Twisted Pair oder Mini Koax, speziell für die PCB-Schnittstelle nach den entsprechenden Anforderungen.

Die wichtigsten Treiber zukünftiger E/E-Architekturen

Software Defined Vehicle (SDV)

  • Zentralisierung von Softwarefunktionen
  • Trennung von Hardware- und Softwareentwicklung
  • OTA-Updates und neue digitale Dienste

Steigende Datenraten

  • Multi-Gigabit-Ethernet
  • Sensorfusion für autonomes Fahren
  • Echtzeitkommunikation
  • Hochauflösende Kameras

Neue Bordnetz-Anforderungen

  • Höhere Pin-Dichten
  • Weniger Bauraum
  • EMV-Optimierung
  • Automatisierbare Fertigung
  • Skalierbarkeit und Modularität
  • Entmaschung

Safety & Security

  • Erfüllung unterschiedlicher ASIL-Level

Fertigbarkeit und Prozessrobustheit

  • Zuverlässigkeit im Feld von entscheidender Bedeutung
  • Re-use bestehender Fertigungsprozesse (Stitching)

Varianten- und Kostenmanagement

  • Flexibilität durch standardisierte Steckverbindungen und Modulgrößen
  • Sicherstellung einer Hochvolumenversorgung

Modularisierung und HF-Integration bei Steckverbinder-Systemen

Die verbreitetsten Steckverbinder im Automobilbereich stammen häufig aus einer Zeit, in der Datenraten und Bordnetzkonzepte deutlich geringere Anforderungen stellten. Besonders komplex ist die Integration von Hochfrequenzkontakten direkt in modulare Stecksysteme. Genau hier setzt die gemeinsame Entwicklung von Bosch und MD ELEKTRONIK an. Die Zusammenarbeit konzentriert sich bei beiden Lösungsansätzen auf die Weiterentwicklung von Steckverbinder-Systemen hin zu Modularisierung und HF-Integration.

  1. Steckverbinder für HF-Anwendungen (Katalogware)
  2. Integrierter Multipin-Steckverbinder mit HF-Kontakten (verschiedene Schirmungsoptionen)
  3. Vollständig integrierter Multipin-Steckverbinder mit HF-Kontakten, Schirmung getrennt (exemplarisch)
  4. Vollständig integrierter modularer Steckverbinder mit HF-Kontakten (Schirmung getrennt)

Technische Treiber und Herausforderungen für optimierte Multi-Hybrid-Steckverbinder-Systeme ergeben sich vor allem aus den steigenden Anforderungen moderner E/E-Architekturen. Die zunehmende Anzahl an Funktionen, Sensoren und Datenkanälen erfordert eine hohe Packungsdichte auf begrenztem Bauraum. Gleichzeitig macht die Kombination aus Low-Speed- und High-Speed-Kontakten eine gezielte Pin-Optimierung notwendig, um Energieversorgung und Hochfrequenz-Datenübertragung zuverlässig in einem System zu vereinen. Auch optimierte Montage- und Verbindungstechnologien für die Integration in zentrale ECUs gewinnen an Bedeutung, da Steuergeräte immer kompakter werden. Eine einfache Leiterplattenmontage sowie weniger Steckvorgänge helfen dabei, Fertigungszeiten und potenzielle Fehlerquellen zu reduzieren. Zusätzlich müssen die Steckkräfte verringert werden, um die Montage zu erleichtern und Beschädigungen zu vermeiden. Insgesamt stehen geringere Komplexität, höhere Zuverlässigkeit und eine vollautomatisierte, prozesssichere Serienfertigung im Fokus.

Microflex & Moduflex: Lösungskonzepte für Multi-Hybrid-Steckverbindersysteme

Mit Microflex und Moduflex haben Bosch und MD ELEKTRONIK gemeinsam zwei Lösungskonzepte für moderne Multi-Hybrid-Steckverbindersysteme umgesetzt. Während die erste Lösung auf Multipin-Header mit integrierten HF-Steckverbindern auf Basis modernster Löttechnologie setzt, basiert das zweitgenannte System auf vollständig integrierten modularen Pin-Headern mit HF-Kontakten auf Press-Fit-Technologie. Beide Ansätze verwenden getrennte Schirmungen, die es in EMV-kritischen Bereichen (z.B. bei Potenzialunterschieden oder unterschiedlichen Strömen für Kameras) ermöglichen, eine leistungsfähige und skalierbare Integration von Hochfrequenz- und Signalübertragung in modernen Bordnetzarchitekturen zu realisieren.

Um die hohen Anforderungen an Datenraten, Packungsdichte und Signalqualität zu erfüllen, waren gezielte Verbesserungen auf Systemebene notwendig. Optimierungen bei Press-Fit-Technologie, Toleranzmanagement, Schirmoptimierung und Fixierungselementen verbessern Rückfluss-, Schirm- und Kopplungsdämpfung. Gleichzeitig ermöglicht ein präzise abgestimmtes Gesamtdesign die exakte Positionierung von Pins und Leiterplattenbohrungen sowie die Integration einer hohen Anzahl an HF-Modulen im verfügbaren Bauraum. Ergänzt wird dies durch optimiertes Layout-Routing und erweiterte Kodierungsmöglichkeiten für die flexible Integration unterschiedlicher Kabelmodule und Varianten.

Testergebnisse

Die durchgeführten Hochfrequenz- und Mechanik Tests bestätigten die Leistungsfähigkeit der entwickelten Multi-Hybrid-Steckverbindersysteme Microflex und Moduflex auf Einzelkomponentenebene gemäß relevanter IEEE-, OPEN-Alliance- und USCAR-Standards.

Hochfrequenztests
Differentielle Steckverbinder
Rückflussdämpfung Open Alliance TC910GBASET1
  • IEEE 802.3ch (2,5 GHz, 5 Gbit/s / 4 GHz, 10 Gbit/s)
  • IEEE 802.3cy (9 GHz / 25 Gbit/s)
Schirmdämpfung Open Alliance TC9 10GBASE-T-1
  • LogMag(s21) > −50dB (0-25 Gbit/s)
Mini Koax Steckverbinder
Rückflussdämpfung USCAR-49 Rev1 2024-10
  • FDPIII (2,4 GHz / ~3,4 Gbit/s)
  • GMSL3 (3,5 GHz / ~12 Gbit/s)
  • FDPIV (4,25 GHz / ~6 Gbit/s)
Schirmdämpfung USCAR-49 Rev1 2024-10
  • LogMag(s21) > −60dB (0-9GHz)
Mechanische Tests

Mechanische Testergebnisse erfüllen typische Anforderungen an Bordnetz-Steckverbinder gemäß USCAR2

Steck- / Ziehkraft des Steckverbinders
  • Gesamtes Steckverbindersystem: < 75 N erfüllt
Kontakteinsteckkraft
  • Mini Koax-Komponente: < 12 N erfüllt
Kontakt-Haltekraft
  • Differenzielle Komponente: > 110 N erfüllt
Betätigungskraft der Sekundärverriegelung
  • Differenzielle Komponente: < 30 N erfüllt

Zusammenfassung der Vorteile von Multi-Hybrid-Steckverbindersystemen

Die vorgestellten Multi-Hybrid-Steckverbindersysteme erfüllen zentrale Anforderungen zukünftiger E/E-Architekturen und bilden die Grundlage für leistungsfähigere, flexiblere und effizientere Fahrzeugplattformen. Gleichzeitig unterstützen sie eine stärkere Vereinheitlichung von Schnittstellen und Prozessen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Steuergeräteintegration bis zur Bordnetzmontage.

OEM

TIER 1 (ECU)

  • Doppelte Pin-Dichte
  • Robustheit
  • Miniaturisierung
  • Interconnection-Technologie möglich (z. B. Press-Fit)
  • High-Speed-Integration

Standardisierung

  • OPEN Interface
  • Kosteneinsparung
  • Flexibilität (gedichtet/ungedichtet)
  • Skalierbarkeit
  • Vollständige Modularität

TIER 1 (WH)

  • UTP-/STP-/SPP*-Kabel
  • Reduzierte Komplexität auf der Bordnetzseite
  • Weniger Steckvorgänge auf der Bordnetzseite
  • Automatisierte Montage
  • Standardisierte Steckverbinder

* SPP = shielded parallel pair

Die Entwicklung hat einen hohen Reifegrad erreicht und wird bereits mittels ECU-Demonstratoren für Funktions- und Validierungstests erfolgreich genutzt. Auf Basis eines modularen Cartridge-Konzepts konnten unterschiedliche Signal-Daten- und Leistungsübertragung in einem Demonstrator-System integriert und unter praxisnahen Bedingungen getestet werden.

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Kontakt

Helmut Pritz

Helmut Pritz ist Product Manager für optische Datenübertragung und Multi-Hybrid-Steckverbinder bei MD ELEKTRONIK. Mit über 25 Jahren Erfahrung im Automotive-Bereich verfügt er über umfassende Expertise in der Förderung dieser zukunftsorientierten Technologien. Seine Mission ist es, gemeinsam mit Kunden, Start-ups, Steuergeräteherstellern und Zulieferern innovative Lösungen für die Automobilindustrie zu entwickeln.

Nach seiner Tätigkeit als Projektmanager, in der er für die Entwicklung von Steckkomponenten und den dazugehörigen Automatisierungssystemen verantwortlich war, übernahm er die Rolle des Manager Development RF Technology und baute eine Entwicklungsabteilung auf, die sich hauptsächlich mit Hochfrequenztechnik befasste.

Mit seinem globalen Netzwerk aus Kunden, Zulieferern und Partnern initiiert er bereichsübergreifende Kooperationen zur Entwicklung neuer Technologien und Lösungen im Bereich der Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung.

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