Der japanische Automobilmarkt im Jahr 2035 – welche Trends sich durchsetzen und welche Besonderheiten bleiben

Tech Talk ist eine Interviewreihe, in der wir Ihnen inspirierende Persönlichkeiten aus der MD Gruppe sowie aus der Welt der Technologie, Innovation und darüber hinaus vorstellen.

In dieser Ausgabe haben wir uns mit Ichiro Yamamoto, Business Development Manager bei MD ELECTRONICS Japan, getroffen, um zu erfahren, welche Technologien sich bis 2035 voraussichtlich durchsetzen werden und in welchen Bereichen erstklassige Lösungen für die Datenübertragung einen spürbaren Mehrwert schaffen können.

Ichiro, bitte erzähle uns ein wenig über dich. Wie verlief dein bisheriger beruflicher Werdegang und was hat dich zu MD geführt?

Ich bin Ichiro Yamamoto. Ich lebe mit meiner Frau in Tokio und arbeite seit fast zwei Jahren im MD-Büro in Japan. Meine Laufbahn begann im Vertrieb eines Wertpapierunternehmens, aber ich wechselte schnell in den Automobilsektor. Über mehr als 30 Jahre hinweg war ich im Vertrieb und Business Development für eine Vielzahl von Automobilkomponenten tätig – von elektronischen Bauteilen über mechatronische Module und gestanzte Metallteile bis hin zu Rohmaterialien. Diese breite Erfahrung hilft mir, technische Diskussionen mit kommerziellen Zielen zu verbinden und starke Beziehungen zu japanischen OEMs und Zulieferern zu pflegen.

Bevor ich zu MD kam, hatte ich bei mehreren Unternehmen die globale Vertriebsverantwortung für japanische OEMs. Ich bin zu MD gewechselt, weil ich großes Potenzial für MDs hochwertiges, kosteneffizientes und hochautomatisiertes Portfolio an Kabelkonfektionen sehe, um in Japan erfolgreich zu sein. Mit relativ geringer Markenbekanntheit in diesen Markt einzutreten, motiviert mich sehr! Es ist eine echte Wachstumsaufgabe für einen vertriebsorientierten Menschen.

Wenn du Japans Automobillandschaft 2035 in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde dieser lauten – und warum?

Ich würde sagen: ein pragmatischer Mix. Batterieelektrische Fahrzeuge werden stetig wachsen, Hybride bleiben ein zentraler Bestandteil und Wasserstoff wird gezielte Nischenkunden finden.

Welche realistischen Volumen und Anwendungsschwerpunkte siehst du bis 2035 für Brennstoffzellenfahrzeuge? Leigt der Schwerpunkt bei Pkw, Nutzfahrzeugen oder gemischten Flotten? Welche Auswirkungen hat dies auf Bordnetze und Datenübertragung?

Brennstoffzellenfahrzeuge werden von der heutigen Basis aus wachsen, aber sie werden 2035 nicht dominieren. Das realistischste Wachstum liegt im Bereich gewerblicher und behördlicher Flotten, bei denen die Betankung zentralisiert erfolgen kann: Busse, Lieferfahrzeuge, Langstreckenreisebusse und ausgewählte Heavy-Duty-Anwendungen. Brennstoffzellenfahrzeuge im privaten Bereich wird es geben, aber sie bleiben eine Nische.

Die größten Einschränkungen sind die Dichte der Wasserstoffinfrastruktur, Energiekosten und Speichersicherheit. Die geringe Molekülgröße von Wasserstoff erhöht das Leckagerisiko, weshalb Hochdruckspeicherung (z. B. 700 bar) und präzise Abdichtung entscheidend sind. Fortschritte bei Sorptionsmaterialien – einschließlich metallorganischer Gerüstverbindungen – sind vielversprechend, müssen sich jedoch noch im automobilen Umfeld beweisen.

Für Verkabelung und Datenübertragung benötigen Brennstoffzellen-Plattformen weiterhin robuste Hochvolt-Kabel, zuverlässige Niedervolt-Bordnetze und gehärtete Datenverbindungen für Stack-Steuerung, Thermomanagement und Sicherheitsüberwachung. Das bedeutet abgeschirmtes Zwei-Draht-Ethernet (100/1000BASE-T1) für Diagnose und Steuerung sowie Mini-Coax oder HSD/H-MTD-Steckverbinder für Sensor- und Kameraschnittstellen. Zulieferer, die 100 % End-of-Line-Tests, vollständige Rückverfolgbarkeit und korrosionsbeständige Steckverbinder gewährleisten können, werden bevorzugte Partner sein.

Betrachtest du kompakte Fahrzeugformate als Konstante – und wie werden Kei-/Kompaktfahrzeuge die E/E-Architektur und die Wahl der Steckverbinder beeinflussen?

Selbstverständlich werden Kei- und Kompaktfahrzeuge in Japan weiterhin sehr beliebt sein. Kosten und Bauraum bestimmen alles. In Bezug auf die E/E-Architektur denke ich, dass zonale oder „semi-zonale“ Layouts sich durchsetzen werden, um Leitungslängen und Gewicht zu reduzieren. Kleine und bewährte Steckverbindersysteme wie FAKRA/FAKRA Mini für HF/Koax sowie HSD/H-MTD für hohe Datenraten bleiben gefragt. Die beste Lösung wird darin bestehen, bestehende Konzepte und Teile so weit wie möglich weiterzuverwenden, um Kosten und Requalifizierungsaufwand zu minimieren.

Lass uns über Sensorfusion in Kompaktfahrzeugen sprechen. Wie werden Kamera/Radar/LiDAR in kleineren Fahrzeugen integriert, ohne Signal- und Energieintegrität zu beeinträchtigen?

Meiner Meinung nach durch eine Vereinfachung der physikalischen Ebene sowie durch getrennte Führung von Stromversorgung und Hochgeschwindigkeitsdaten. Aktuell scheint es, dass japanische OEMs bei der Integration dieser Sicherheitsfunktionen zögern, da einer der größten Verkaufsvorteile ihrer Kompaktwagen der günstige Preis ist. Dennoch wird die Einbauquote aufgrund neuer Sicherheitsvorschriften allmählich steigen. Außerdem sind Kompakt- und Kei-Fahrzeuge bei älteren Menschen sehr beliebt, sodass der Bedarf an Sicherheitsfunktionen für diese Kernkundengruppe real ist. Das bedeutet, dass der Markt für Datenübertragung ganz natürlich wachsen wird.

Japan ist weltweit bekannt für seine hohen Qualitätsanforderungen. Was wird in Bezug auf Qualitätserwartungen (Rückverfolgbarkeit, Linienautomation, Stichprobenpläne) einzigartig „japanisch“ bleiben?

Japan wird weiterhin auf Fehlervermeidung statt Fehlererkennung bestehen. Durchgängige Rückverfolgbarkeit und disziplinierte Stichproben, einschließlich 100 % End-of-Line-Tests, bleiben verbindlich – aber meiner Ansicht nach wird die Produktionslinienautomation zum entscheidenden Qualitätsfaktor.

Zulieferer, die die Anforderungen der IATF 16949 mit moderner Linienautomation und schneller Eingrenzung kombinieren, werden am besten zu den Erwartungen japanischer OEMs passen.

In welchen Bereichen suchen japanische OEMs weiterhin gezielt europäische Spitzenleistungen?

Für japanische OEMs bleiben europäische Partner wichtige Benchmarks für Steckverbindersysteme der nächsten Generation, optische Datenübertragung und robuste Validierungsmethodik.

Welche Schlüsselpunkte werden in den nächsten zehn Jahren in Japan besonders wichtig bleiben?

Für mich ist klar: Wasserstoffbetreibene und Hybride werden neben Batterieelektrischen Fahrzeugen als pragmatische Optionen bestehen. Die Verkabelung muss gemischte HV-, thermische und EMV-Umgebungen beherrschen, ohne Qualität oder Preis zu beeinträchtigen.

Alle Fahrzeugklassen werden platzsparende, präzise Bordnetze verlangen, und Zulieferer, die diese Anforderungen erfüllen können, werden bevorzugt.

Japans Qualitätskultur belohnt Automation, vollständige Rückverfolgbarkeit, disziplinierte Stichprobenpläne und 100 % End-of-Line-Tests, die echte Null-Fehler-Qualität anstreben. Daraus entsteht eine große Chance für spezialisierte europäische Anbieter, die miniaturisierte, vollautomatisierte und vollständig getestete Kabelkonfektionen mit wettbewerbsfähigen Kosten und nachweisbarer Skalierbarkeit liefern können. Ich sehe hier ein echtes Potenzial für die MD-Gruppe, da unsere Automatisierung eine hohe Qualität und vollständige Rückverfolgbarkeit sicherstellt und weiter fortgeschritten ist als bei unseren Wettbewerbern.

Ichiro Yamamoto, vielen Dank für dieses interessante Gespräch! Arigatou!

Japans automobiler Weg: Effizienz, Qualität und kluge Technologieentscheidungen

Japan wird einen pragmatischen Mix aus batterieelektrischen Fahrzeugen, Hybridfahrzeugen und Brennstoffzellenfahrzeugen in ausgewählten Nischen beibehalten – insbesondere in gewerblichen und behördlichen Flotten. Gleichzeitig werden kompakte Fahrzeuge und Kei Cars weiterhin kostengetriebene elektrische und elektronische (E/E-)Architekturen prägen, während der Einsatz sicherheitsrelevanter Sensoren stetig zunimmt. Zulieferer werden hochwertige, korrosionsbeständige Steckverbinder, HV-Leitungen und vollständig rückverfolgbare, automatisierte Produktion benötigen um sich zu behaupten.

Hochleistungsfähige und äußerst zuverlässige Datenverbindungen sind das Rückgrat der Mobilität von morgen. MD ELEKTRONIK steht an der Spitze dieser Technologien und weist mit einem internationalen Netzwerk von Expertinnen und Experten den Weg. Kontaktiere uns jetzt und erfahre mehr über die neuesten Innovationen

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Ichiro Yamamoto

Ichiro Yamamoto bringt mehr als 30 Jahre Vertriebserfahrung in der japanischen Automobilindustrie in seine Rolle bei MD ELECTRONICS Japan G.K. ein. Er verbindet technisches Verständnis mit starken Kundenbeziehungen und arbeitet eng mit OEMs und Zulieferern in ganz Japan zusammen. Mit Wohnsitz in Tokio legt er Wert auf eine ausgewogene Lebensweise und genießt Reisen, Lesen und Filme mit seiner Frau. Als Träger eines schwarzen Gürtels in Aikido freut er sich darauf, bald wieder mit dem Training zu beginnen. Yamamoto sieht großes Potenzial für die MD Gruppe in Japan – gestützt durch die steigende Nachfrage nach spezialisierten Bordnetzlösungen und die technologischen Stärken des Unternehmens.

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